Wildvermarktung mit dem Fürstenhaus.
Die Landjäger, der Schinken, die Salami oder die Kabanossi schmecken ungewohnt nach Wild und das muss so sein. Gestern Abend ist im Zeughaus von Josefslust der fürstliche Wildverkauf mit einer Verkostung offiziell eröffnet worden. Fürst Karl Friedrich und Fürstin Katharina luden Gäste zum Probieren ein. Heute ist der Wildverkauf im überdachten Jagdsalon für die Öffentlichkeit geöffnet – von 10 bis 16 Uhr im fürstlichen Landhaus an der B 32 zwischen Krauchenwies und Sigmaringen. Als zweiter Gang wurde eine gegrillte Wildbratwurst gereicht – auch die schmeckte wohltuend anders. Hinter der Wildtheke versammelt haben sich (von links) Gerd Krugger vom Rosengarten Sigmaringendorf, Fürstin und Fürst, Karl Frick von der gleichnamigen Metzgerei und Forstleiter Raimund Friderichs.
(Artikel in der Schwäbischen Zeitung am 10.12.2010)
Wildverkauf: Selbst ist der Fürst
Wildverkauf: Selbst ist der Fürst
Sigmaringen / sz Diese Tatsache stört Raimund Friderichs, der Chef des hohenzollerischen Forstbetriebs, schon länger: „Wir brechen die Rohdiamanten aus der Erde und andere machen Schmuck draus.“ Mit den Rohdiamanten sind die mehr als 500 Stück Schalenwild gemeint, die der fürstliche Jagdbetrieb pro Jahr zur Strecke bringt. Er kürzlich bei der Jagd in Josefslust wurden 14 Stück Dammwild, 28 Wildschweine und 15 Rehe erlegt.
In der Vergangenheit wurden die Tiere überwiegend an Wildhändler oder Gastronomen verkauft – die damit erzielten Einnahmen waren gering und deckten die Kosten bei weitem nicht. In einer wissenschaftlichen Arbeit fand eine Studentin der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg/Neckar heraus: Bei jedem Kilogramm erzeugtem Wild zahlte der Jagdbetrieb 68 Cent drauf.
Die Veredelung der Tiere übernahmen andere. „Ich hatte immer das Gefühl, wir lassen was raus“, sagt Friderichs und begründet damit den Einstieg in die Direktvermarktung. Das in den hohenzollerischen Wäldern geschossene Wild soll über eine Eigenmarke vertrieben werden. Der Jagdbetreib garantiert, dass dieses Fleisch ausschließlich aus eigener Jagd stammt.
Angeboten wird frisches Fleisch vom Dammwild, Rehwild und Wildschweinen – als Rücken, Keule oder Gulasch. Die Verarbeitung des Fleischs übernehmen das Gasthaus Rosengarten (Sigmaringendorf) und die Metzgerei Frick (Krauchenwies). Noch eine Idee: Die Josefsluster Wildbratwurst möchte der Forstchef als Eigenmarke etablieren.
Ihre Bestandteile sind zu gleichen Teilen Reh, Wildschwein und Hausschwein. Letzteres ist wegen des höheren Fettanteils als Geschmacksträger notwendig.
Wurst zum Probieren
In Josefslust legen die Jäger die Wurst am Samstag auf den Grill und bieten sie den Besuchern zum Probieren an. Eine andere Spezialität ist der Vesperteller. Mit dem Fest von 10 bis 16 Uhr will der Jagdbetrieb den Direktverkauf ankurbeln. Es liegen Bestelllisten aus und es ist eine Internetadresse eingerichtet, über die bestellt werden kann. Die Hofjagden werden in Josefslust im alten Zeughaus abgeschlossen. In dieser Örtlichkeit findet Wildverkauf statt – der Jagdsalon bietet 160 Gästen Platz. „Das ist ein vornehmer Ort, rustikal, sehr jagdlich“ – Raimund Friderichs freut sich riesig auf die Umsetzung seiner Geschäftsidee. ( SZ 08.12.2010)
